Wenn Ilona Weber zum Fenster hinausschaut, geht ihr Blick kilometerweit in die toskanische Landschaft hinaus.

VON BENEDIKT LACHENMEIER

Seit acht Jahren sind die 59-Jährige und ihr 63-jähriger Mann Rolf stolze Besitzer der Villa Cardeto, ihrem eigenen «Bed & Breakfast» in Italien. «Wir wollten irgendwann nochmals etwas anderes machen – nicht einfach das Lebensende abwarten», so die Bernerin. Sie hätten auch nach 50 noch eine neue Idee verwirklichen wollen.

B&B Villa Cardeto in Anghiari von Ilona und Rolf Weber

Denn der Grund auszuwandern war nicht der, dass sie genug von der Schweiz gehabt hätten. Bis 2009 war Webers Mann Nationaltrainer beim Leichtathletikverband, sie selbst arbeitete in einer grossen Baufirma. Bis das Paar ihren Traum in die Tat umsetzte, vergingen aber ganze 15 Jahre. «Wir wollten warten, bis unsere beiden Töchter ihren Berufswunsch abgeschlossen hatten.»

Fünf Jahre lang habe ein Makler nach dem Traumobjekt gesucht – erfolglos. Durch Zufall und ohne fremde Hilfe fanden Ilona und Rolf Weber dann auf einem Hügel in der Provinz Arrezzo das Anwesen,  indem sie seither Gäste aus der ganzen Welt bewirten.

«Die Toskana zieht jedes Jahr Millionen von Touristen an», weiss Ilona Weber. «Ausserdem profitieren wir von unserem riesigen Beziehungsnetz. Viele zufriedene Gäste schicken ihre Freunde zu uns in die Ferien.» Das Geschäft laufe gut. «Während der Saison arbeiten wir oft von halb sechs in der Früh bis Mitternacht durch.» Im Winter sei es relativ ruhig.

Ihr Mann ist für den Aussenbereich zuständig, pflegt den Garten und den Swimmingpool, Ilona Weber sorgt sich um Küche sowie Zimmer und Gäste. Das Tolle an der Arbeit: «Uns sagt niemand, was wir zu tun haben. Wir entscheiden selbst.» Und wer hat beim Paar das Sagen? «In Sachen Website ist Rolf der Chef, ich entscheide dafür eher mal, was es zum Znacht gibt», schmunzelt Weber.

Trotzdem gäbe es Momente, in denen sich das Paar nach der Schweiz sehne. «Vor allem dann, wenn wir unsere Töchter vermissen und die Familie.» Aber sonst fehle ihnen die Schweiz überhaupt nicht. «Italien ist jetzt unser Lebensmittelpunkt», so Weber überzeugt. Zurückkehren sei keine Option. Höchstens dann, wenn sie irgendwann mal alt wären. Doch sie räumt ein: «Wir haben beschlossen, erst darüber nachzudenken, wenn es soweit ist.» Zu schön sei der Kontakt mit den vielen Leuten, die jedes Jahr bei ihnen die Ferien verbringen würden – und natürlich die toskanische Landschaft.

Wir suchen immer wieder Menschen, die Neues wagen. Wenn Sie solche Menschen kennen – oder selbst einer sind – erzählen Sie es uns. Unsere Mailadresse lautet: geschichten@plus.ch.