Von Benedikt Lachenmeier:

Slivia Tschui (40) sieht erschöpft aus, als sie zum Interviewtermin erscheint. Ihr zweieinhalbjähriger Sohn erwartet eine 24-StundenBetreuung und ihr Job als Journalistin erfordert eine Menge Zeit. «Ich lebe im Moment von meinen Schlafreserven», sagt die 40-Jährige und lächelt trotzdem. Denn nebst Arbeit und Kind ist sie mit ihrem Debütroman «Jakobs Ross» unterwegs, liest in Bibliotheken und an Festivals.

Mit der Geschichte über eine Magd aus dem 19. Jahrhundert, die von einer Karriere als Musikerin träumt, hat sich auch Silvia Tschui einen Traum erfüllt, für den sie lange kämpfen musste. «Seit ich 20 bin, arbeite ich an Kunstprojekten. Bis jetzt hat sich bloss noch nie jemand dafür interessiert.» Ihr Mut macht sich nun bezahlt: Kritiker loben das Buch, ihre Leser brachten sie auf die Bestsellerliste. «Ich war immer davon überzeugt, dass ich etwas zu sagen habe», so die Autorin. Deshalb sei sie auch bereit gewesen, Risiken einzugehen. Denn Silvia Tschui hat immer wieder von vorne angefangen: Grafikstudium, Germanistik, Lehrerdiplom, Animationsfilmregisseurin und schliesslich Journalistin.

«Mir wird es halt immer recht schnell langweilig», erklärt die Multitaskerin. Und eigentlich hätte sie sich am liebsten nur ihren Projekten gewidmet. «Aber freies Schreiben und Illustrieren bringt kaum Butter aufs Brot.» In harten Zeiten habe sie sich immer wieder anstellen lassen, «bis ich es nicht mehr ausgehalten habe und davongerannt bin».

Die Idee für ein Buch beschäftigte sie «seit ewig». Mit 22 nahm Tschui den Anlauf, einen Krimi zu schreiben. Bei der jetzigen Geschichte handelt es sich nun «sprachlich um ein ‹Heimatding›» – der Roman ist in einer Kunstsprache zwischen altem Zürcher Dialekt und Hochdeutsch geschrieben – «von der Handlung her aber nicht um Wohlfühlliteratur». Das nächste Projekt ist bereits im Köcher: «Ich möchte über Gentechnologie schreiben. Obwohl mein Verlag meint, er könne das unmöglich verkaufen.»