Ich glaube, nun habe ich endgültig den Anschluss an den Zeitgeist verpasst. Mit dieser schmerzhaften Erkenntnis bin ich seit meiner letzten Einladung zu einem vermeintlich gemütlichen Nachtessen bei mir zu hause konfrontiert. Details dazu kommen gleich.

VON Kurt Aeschbacher

Erste Anzeichen, dass ich mit gewissen Entwicklungen rund um das offensichtlich immer verspanntere Verhältnis meiner Mitbürger (Freunde inbegriffen) zum Essen nicht mehr mithalten kann, zeigten sich bereits anfangs Jahr. Da sass ich mit einer hochgelobten Persönlichkeit in Sachen Gesundheitsfragen, seines Zeichens Professor und engagierter Politiker in einem gemütlichen Restaurant. Ich bestellte spontan Kalbsleber mit Rösti. Bei meinem Gegenüber dauerte die Bestellung etwas länger. Ein Fisch sollte es sein, ja nicht grilliert, bloss kurz im Dampf pochiert, ungewürzt und natürlich unbedingt ungesalzen. Der Kellner konnte nicht dienen. „Nun dann“, seufzte das Gegenüber, „bringen sie mir Spinat. Aber bloss in salzlosem Wasser kurz blanchiert.“

Meine Verunsicherung bei dieser doch eher spartanischen Bestellung wurde mit einem differenzierten Vortrag über die gesundheitlichen Schäden salzhaltiger Kost quittiert. Damit war meine knusprige Rösti vermiest und jedes Zipfelchen Kalbsleber mit der perfekt abgeschmeckten, würzig dunklen Sauce wirkte wie ein Attentat auf meinen Körper. Nicht zu reden vom Salzstreuer auf dem Tisch, der mich wie die Handgranate eines Attentäters anstarrte.

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